Die Corona-Epidemie und – Oh Shit! – was da auf uns zukommt…

Natürlich werden die meisten von uns nicht am Corona Virus sterben (sondern an Kreislaufkrankheiten usw.). Natürlich sollten wir möglichst keine Panik haben, ruhig bleiben, keine anderen Menschen anfassen und unsere Hände waschen.

Aber da kommt etwas auf uns zu, das uns alle massiver betreffen wird und das viel schneller kommen wird, als die meisten das im Moment anscheinend erwarten. Und wir müssen uns damit beschäftigen, nicht für uns selbst (wie gesagt, die meisten von uns werden den Virus sowieso bekommen und nicht dran sterben) sondern für die 1-2%, die zu den Opfern zählen werden.

1. Es ist DRINGEND

Heute, am 8.3.2020, gibt es in Italien knapp 6.000 bestätigte Fälle (und natürlich gibt es tatsächlich noch viel mehr Infektionen, weil nicht alle getestet werden). Italien hat vor 4 Tagen alle Schulen und Universitäten geschlossen und heute 15 Mio Einwohner faktisch weggesperrt. Man hat alle öffentlichen Gebäude, alle Kneipen und Sportstätten geschlossen und alle Versammlungen abgesagt. Und das bis “mindestens 2. April” – das sind fast 4 Wochen!

Schauen wir Deutschland und Frankreich: Beide haben aktuell ca. 800 Fälle, so viele wie Italien ** vor 5 Tagen **. Und wie man auf dieser Grafik sieht, liegen wir auf dem gleichen Trend, wir werden also in einer Woche an der gleichen Situation sein wie Italien heute:

Quelle: https://studylib.net/coronavirus-growth

Deutschland und Frankreich (und Spanien und die USA) sollten umgehend Schulen und Unis schließen und was die Italiener da sonst noch vormachen. Weil in 1-2 Wochen werden sie das sowieso machen müssen und je früher man das macht, um so mehr verlangsamt man den Ausbruch. Auch andere Maßnahmen helfen, Singapur und Japan zeigen das ja eindrucksvoll in der Grafik. Eine Studie zeigt die Effektivität der Maßnahmen.

2. Das Problem mit exponentiellem Wachstum

Die meisten Menschen haben Probleme mit exponentiellem Wachstum. Ich auch. Aber rechnen wir einfach mal nach: Die Anzahl der Infektionen verdoppelt sich in Deutschland, Frankreich und in Italien alle 2-4 Tage. Also werden wir in einer Woche jeweils 6.000 Fälle in DE und FR haben. Und bis Ende März werden es in DE sogar 400.000 Fälle, wenn es uns nicht gelingt, das Wachstum dramatisch zu bremsen.

Die Krankheit dauert ca. 3-6 Wochen, Ende März sind also alle Erkrankten noch krank. Selbst wenn nur 5% der Patienten eine Intensivstation benötigen (es scheinen aber noch mehr zu sein) brauchen wir Ende März 20.000 Intensivbetten. Deutschland hat aber nur 28.000 Intensivbetten. Und das oben beschriebene Wachstum würde ja dann auch noch weitergehen bis 40-60% der Bevölkerung die Krankheit gehabt haben und die Herden-Immunität das Wachstum verlangsamt.

Selbst wenn meine Annahme (Verdopplung alle 2-4 Tage) um den Faktor 2 falsch ist, haben wir die gleiche Situation, nur dann eben erst Ende April statt Ende März (Link: über die Mathematik eines Virus-Ausbruchs).

Die aus den o.g. 400.000 Fällen resultierenden 4.000-8.000 Toten (1-2% Fatality Rate) würden natürlich auch passieren, wenn der Ausbruch langsamer wird. Aber der Wert könnte eben höher sein, wenn das Gesundheitssystem überlastet wird.

3. Es geht nicht um Panik, sondern um das Absenken der Infektions-Kurve

Wenn der Virus sich zu schnell ausbreitet und zu viele gleichzeitige Infektionen verursacht würde dies zu einer Überlastung der Krankenhäuser und Intensivstationen führen (und man würde nur noch den Patienten helfen, die die besten Überlebenschance haben). Die einzige Chance das zu vermeiden ist es, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und die Zeit zu verlängern, bis sich die meisten Bürger damit infiziert haben.

Quelle: https://twitter.com/CT_Bergstrom/status/1236426968444235777

Sobald dann später genügend Menschen das Virus hatten und immun sind wird die Verbreitung langsamer werden.

4. Was tun?

Jeder von uns sollte sich oft die Hände waschen, Abstand halten, alle Menschenansammlungen meiden und bei den geringsten Erkältungszeichen zwei Wochen zu Hause bleiben. Am besten sich in einem möglichst kleinen “Kosmos” von gleichbleibenden Personen bewegen für die nächsten Wochen.

Wenn Du in Deinem Job die Möglichkeit hast, weitergehende Entscheidungen zu beeinflussen, dann versuche mit zu helfen:

  • Schulen und Kindergärten so bald wie möglich für 2-3 Wochen schließen (Kinder infizieren sich genauso schnell oder schneller wie Erwachsene, haben aber meist keine Symptome, sodass die Ansteckung beständig und unerkannt weitergeht; Studie dazu)
  • Alle Veranstaltungen absagen, insbesondere wenn viele Menschen in einem Raum sind
  • Reisen und Besprechungen vermeiden und auf Video-Konferenzen usw. umstellen
  • Prüfen, ob man von zu Hause arbeiten kann

Und: Rufe Deine kommunale Verwaltung oder Deinen Abgeordneten an. Usw.

Aber es muss uns allen klar sein: diese Situation wird noch wochenlang andauern.

Bleib gesund. Und wasch Dir die Hände!

Und hoffentlich habe ich mit dem allem hier doch irgendwie geirrt…..

Weitere Infos zum Weiterlesen

Author: Dirk Paessler

Founder and Chairman, Paessler AG; Founder and Executive, Carbon Drawdown Initiative

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