Covidcare: Wir helfen den Kliniken in der Covid-19 Krise mit einem Wochenend-Hackathon

Die letzten 4 Tage waren etwas… hektisch. In kürzester Zeit haben wir mit 20 Softwarespezialisten der Paessler AG übers Wochenende und im Home-Office eine Software zur Abschätzung des Covid-19-Patienten-Ansturms auf die Kliniken und Krankenhäuser entwickelt. Diese wird morgen als interaktiver Online-Service frei verfügbar ins Netz gestellt.

Aber ich fange mal vorne an…

Am letzten Mittwoch Abend, vor 96 Stunden, hatte mich  Prof. Dr. Harald Dormann, Präsident der Deutschen Stiftung Akut- und Notfallmedizin und Chefarzt der Notaufnahme am Klinikum Fürth, gefragt, ob ich eine kleine Software schreiben könnte, mit der er den zu erwartenden Ansturm von stationären und Intensiv-Patienten mit Covid-19 auf seine Notaufnahme und sein Klinikum berechnen/abschätzen könnte, weil sich bereits abzeichnete, dass die zur Verfügung stehenden Klinikbetten nicht ausreichen werden.

Wir machten einige Berechnungen und bereits am Donnerstag zeichnete sich mit Version 1 ab, dass die damaligen Kapazitäts-Planungen des Klinikums wahrscheinlich nicht ausreichend sind. Es wurde klar: wir müssen diese Abschätzungen nochmals verbessern um eine bessere Krisenplanung für das Klinikum ermöglichen zu können.

Und jedes andere Krankenhaus in Deutschland hat potentiell das gleiche Problem! Die landesweiten Planungsdaten sind auf kommunaler Ebene für die Detailplanung der Krankenhäuser usw. ungeeignet, weil der Virenausbruch/die Durchseuchung in jeder Region verschieden weit fortgeschritten ist und somit der Ansturm insbesondere auf die Intensivstationen für jede Region einzeln berechnet werden muss.

Am Freitag nachmittag haben wir die Version 2 als Spreadsheet online gestellt – die sofort auf großes Interesse im Netz stieß, mehr als 2000 Menschen besuchten die Webseite in 24 Stunden.

Parallel dazu, bereits am Freitag Morgen, kontaktierte ich den Vorstand der von mir gegründeten Paessler AG (ich bin Aufsichtsratsvorsitzender) mit der Frage, ob wir mit einigen Mitarbeitern einen “Hackathon” über das Wochenende starten könnten, um dieses Projekt auf professionelle Beine zu stellen und einen entsprechenden Online-Dienst ins Netz zu stellen. Der Vorstand unterstützte mein Vorhaben aus vollem Herzen und innerhalb von 2 Stunden hatten wir mehr als 20 Internet/Software-Spezialisten virtuell in einem Slack-Channel versammelt, die helfen wollten – egal wie, egal ob in Arbeitszeit oder in ihrer Freizeit. Alle wollten in dieser Krise etwas tun!

Seit dem haben wir übers Wochenende als virtuelles Team in unseren Home-Offices – mit allen modernen Mitteln des Internets (Amazon AWS, Slack, Teams, Zoom, Gitlab, GCloud, Balsamiq, mailbox.org, usw.) – gearbeitet und sind jetzt kurz davor, nach nur 2 Tagen Entwicklungszeit die erste Online-Version des Predictors ins Netz zu stellen (morgen).

Dabei haben wir ständig an verschiedenen Teilprojekten parallel/gleichzeitig gearbeitet:

  • Domain anmelden und einrichten
  • Webhosting-Infrastruktur
  • automatisierte Versionskontrolle und Deployment
  • Styling/Grafik
  • User-Interface Bausteinen
  • Berechnungscode für den eigentlichen Predictor
  • Texte und Grafiken
  • Dokumentation und Übersetzung
  • Tests
  • uvam.

Jetzt, am Sonntag Abend konnten wir bereits die ersten Testläufe des Online-Services machen, der dann unter https://covidcare.de/ erreichbar sein wird. Eine ausführliche Dokumentation gibt es hier.

Aber wir haben es doch nicht mehr ganz geschafft das fertig zu stellen heute. Nach einigen letzten Verbesserungen und Test wird der Dienst dann wohl morgen online gehen.

Damit können dann insbesondere die Krisenstäbe der Länder, Landkreise und Städte sowie die strategischen Einsatzleitungen der Kliniken, Rettungsdienste und Gesundheitsversorger besser planen. Im besonderen Fokus stehen hierbei die benötigen Notaufnahmekapazitäten, stationäre Vorhaltungen sowie Intensiv- und Beatmungsressourcen.

Basierend auf den regionalen tagesaktuellen Daten der bestätigten SARS-CoV 2-Infektionen (z.B. vom RKI) werden neben dem zeitlichen Verlauf der Patienten-Frequentierung auch die kumulativen Kapazitätsbedarfe berechnet. 

Einzigartig ist Covidcare auch dadurch, dass neben den stationären Ressourcen auch die Anzahl von Patienten tagesaktuell abgeschätzt werden, die Sie aus den Notaufnahmen oder den stationären sowie intensivmedizinischen Bereichen wieder entlassen können. Mit Covidcare gelingt es eine kumulative Berechnung der tatsächlichen Belegungen Ihrer Versorgungseinheiten vorherzusagen und damit Material- und Personalbedarf vorausschauend zu kalkulieren. 

Die Helden sind…

Dieses Projekt wurde von Prof. Dr. Harald Dormann, Präsident der Deutschen Stiftung Akut- und Notfallmedizin und Chefarzt der Notaufnahme am Klinikum Fürth, initiiert und von vielen freiwilligen Helfern aus dem Team der Paessler AG in Rekordzeit erstellt und online gestellt (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Aaron Gregg
  • Ariane Wolff
  • Björn Pohl
  • Dirk Fiebiger
  • Dirk Paessler
  • Fabian Wolff
  • Greg Campion
  • Jörn Paessler
  • Konstantin Wolff
  • Mark Schmidts
  • Matt Barringer
  • Maximilian Funke
  • Rainer Hungershausen
  • Stefan Feijfar
  • Stefan Messner
  • Steven Feurer
  • Syed Noor Ali Jafri
  • Torsten Lindner
  • Udo Wiegärtner

Danke an alle Mitwirkenden und alle die Ihre Hilfsbereitschaft signalisiert haben! Wir sind hier noch nicht fertig, weitere Ergänzungen und neue Funktionen sind geplant.

Author: Dirk Paessler

Founder and Chairman, Paessler AG; Founder and Executive, Carbon Drawdown Initiative

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