Covid-19: Was *DU* tun kannst — wenn wir schon nicht zu “normal” zurück gehen können

Inzwischen sollten alle mitbekommen haben, dass die Frage nicht lautet “Wann können wir in unser altes ‘normales’ Leben zurück?” sondern “Wie kommen wir durch die nächsten 1-2 Jahre hindurch und leben ein wenigstens halbwegs gutes Leben?”.

Und dabei ist das Problem so “entfernt”: Kennst Du jemanden persönlich, der Covid-19 hatte? Nur 0,2% der Deutschen ist positiv getestet. Man muss 500 Menschen kennen, um einen davon zu erwischen. Dass es NUR 0,2% sind ist ein großer Erfolg unseres Verhaltens! Das macht uns zum zweit-sichersten Land der Welt in Bezug auf Covid-19.

Wir können das Virus nicht besiegen oder weg machen, es wird uns alle im Alltag bis weit ins Jahr 2021 hinein begleiten, und wenn’s blöd läuft noch länger (je nachdem wann es Impfung/Medikament gibt) und mit weiteren Ausbruchs-Wellen, zumindest regional.

In diesem Artikel möchte ich ein paar Betrachtungen teilen, wie sich unser Leben verändern wird bzw. wie wir uns als Einzelne verhalten sollten, damit wir jeder für sich einzeln und auch alle zusammen als Gesellschaft mit dem kleinstmöglichen Schaden durch diese 1-2 Jahre hindurch kommen.

Was die Regierungen vorhaben

Da es in Deutschland bereits jetzt Lockerungen der Lockdown-Regelungen gibt lautet die aktuelle Strategie der Bundesregierung/Länderchefs wohl wie folgt: Wir sorgen dafür, dass R0 bei knapp unter 1 bleibt, d.h. die Anzahl der täglichen Neuinfektionen bleibt konstant und damit bleibt auch der “Füllstand” der Intensivbetten konstant.

Man hat sich nicht für den Weg des “Test, Trace and Isolate” (den Mai Thi Nguyen-Kim aka Mailab in ihrem Video “Corona geht gerade erst los” sehr gut beschreibt) entschieden, weil die Kontaktverfolgung mit den aktuell 2.000 Neuinfektionen pro Tag für die Gesundheitsämter mengenmäßig nicht machbar ist.

Quelle: https://www.worldometers.info/coronavirus/country/germany/

Bis in 12 Monaten hätten wir dann also 365 x 2.000 = 730.000 Infektionen (nicht einmal 1% der Bevölkerung) und 5% Todesfälle, also ca. 36.500.

Ich sehe das frühe Lösen der Lockdown-Regeln kritisch, inbesondere weil nach meiner Beobachtung viele Menschen gerade einen regelrechten Sprung in ihrem Verhalten machen. Das werden wir nach ca. 10 Tagen ab dem 30. April wieder ansteigende Neuinfektionszahlen erzeugen – im schlimmsten Fall so schlimm, dass einzelne Regelungslockerungen auch wieder zurückgefahren werden müssen – zumindest in einigen Regionen des Landes.

Und so wird das in den nächsten 1-2 Jahren weitergehen, rein und raus. “The Dance”. Im “Vorbild-Land” Singapur kann man sehen wie die Zukunft aussieht: Nachdem sie die Ausbreitung für 3 Monate sehr gut im Griff hatten, brauchen sie dort nun auch einen Lockdown um den Neuinfektionen wieder in den Griff zu bekommen.

Es kommt ganz viel darauf an, was jede/jeder Einzelne von uns jeden Tag entscheidet und wie sich jeder/jede Einzelne verhält.

Es kommt darauf an wie *WIR* den Tanz tanzen – jede(r) Einzelne

Den Begriff des “Tanzes” mit dem Virus hat Thomas Pueyo in seinem prägenden Artikel “The Hammer and the Dance” am 19.3.2020 eingeführt. Die Strategien der meisten Länder der Welt sehen heute so aus, wie Pueyo das damals beschrieben hat.

In der “Tanzphase” versuchen wir nur gerade so viel Begegnung/Nähe zuzulassen, dass dabei die Epidemie nicht wieder ins exponentielle Wachstum kippt. Aber niemand weiß, was zu viel ist, und je nach Kultur, Bevölkerungsdichte und Lebensweise sind diese Punkte auch in verschiedenen Ländern unterschiedlich.

Keiner will, dass wir zu wenig Öffnung zulassen, weil die wirtschaftlichen und menschlichen Folgen von Einschränkungen für uns alle so übel sind. Also müssen wir uns da ran tasten. Alle 2-3 Wochen werden wir also nun Änderungen an den Regeln vornehmen, und dann 10 Tage später sehen, wie schlimm oder nicht schlimm sich die Ausbreitung verändert – und wo wir einen Schritt zurück machen müssen.

Ich glaube, dass wir uns dabei nicht nur auf die Regeln der Regierungen aus München und Berlin verlassen sollten. Wir sollten auch alle die Grundlagen der Ausbreitung von Covid 19 kennen, damit wir wissen, was wir tun dürfen oder lieber nicht tun sollten. Denn es geht ja nicht nur darum, die Ausbreitung zu verhindern, sondern insbesondere darum, nicht selber zu erkranken.

Wie wird man mit Covid-19 angesteckt?

Es häufen sich die Indizien, dass die meisten Ansteckungen durch Menschen erfolgen, die (noch) nicht wissen, dass sie das Virus in sich tragen und das zumeist über die Luft in geschlossenen Räumen (u.a. Restaurant, Arbeitsplatz, öffentliche Verkehrsmittel), in denen man sich längere Zeit aufgehalten hat. Und dies auch über 2 Meter Abstand hinweg. Peuyo beschreibt das in seinem aktuellen Artikel sehr ausführlich. Zitat:

Since most infections happen through other people [..], what we want is to avoid prolonged, direct, confined contact with people if it’s in a closed area, and we have close contact for a long period of time. In such an environment, two meters is likely not enough space. This paper explains why.”

Auch ein anderes neues wissenschaftliches Paper schreibt:

“All identified outbreaks of three or more cases occurred in an indoor environment, which confirms that sharing indoor space is a major SARS-CoV-2 infection risk.”

Infektionen über das Berühren von Oberflächen scheinen dabei eine sehr untergeordnete Rolle zu spielen.

Was DU tun kannst!

Eigentlich sind die Regeln ganz einfach:

  • Vermeide Menschenansammlungen (n>2), insbesondere in geschlossenen Räumen (Arbeitsplatz, Gaststätten, öffentlicher Verkehr, usw.) und für mehr als ein paar Minuten.
  • Keine Meetings/Veranstaltungen/Feiern/Parties mit Menschen, die Du nicht sowieso häufig siehst.
  • Trage in der Öffentlichkeit einen Mund-Nase-Schutz (sowohl zum Eigenschutz als auch zum Schutz der Anderen).
  • Halte Abstand. >2 Meter.
  • Sitze nicht direkt gegenüber von anderen.
  • Wasche Deine Hände. Oft.

Ich finde das auch alles SCH**E. Ist mir auch ein Rätsel, wie man DAS im Alltag von den meisten Menschen realisieren soll. Aber die Fakten deuten alle darauf hin, dass es nicht anders geht – außer wir ergeben uns dem Virus und lassen ihn durchlaufen.

Die Politiker, die im Moment ständig zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft abwägen müssen – und das mit schwieriger Datenlage – beneide ich nicht um ihren Job.

Haben wir überreagiert (oder tun wir es noch)?

Diese Frage stellt Bill Gates in seinem Artikel The first modern pandemic. Er stellt dazu fest: “Es ist gerechtfertigt, dass die Menschen fragen, ob unsere Verhaltensänderungen gerechtfertigt waren. Und die überwältigende Antwort ist: Ja. Es gab vielleicht ein paar Gegenden, wo es nicht zu schweren Ausbrüchen gekommen wäre, aber das wäre vorab unmöglich festzustellen gewesen. Unser Verhaltensänderungen haben Millionen Menschenleben gerettet. Der wirtschaftliche Preis, den wir bezahlt haben um die Infektionsrate zu senken, ist ohne Beispiel. […] Es ist wichtig zu verstehen, dass diese wirtschaftlichen Folgen nicht nur durch die Regeln der Regierungen entstanden sind.

Er erklärt weiter, dass die Menschen ihr Verhalten bereits im März änderten sobald sie verstanden hatten, dass es da einen tödlichen Virus gibt. Sie gingen nicht mehr in Restaurants, usw. Eine wirtschaftlich erfolgreiches 2020 hätte es sowieso nicht gegeben.

Gates schreibt: “Short of a miracle treatment, which we can’t count on, the only way to return the world to where it was before COVID-19 showed up is a highly effective vaccine that prevents the disease.

Das fiese ist, dass es niemanden gibt, der “SCHULD IST” an diesem Schlamassel. Es gibt keinen, auf den wir unsere Wut und Trauer über den Verlust der Leichtigkeit unseres alltäglichen Lebens projizieren können. Und jetzt stehen wir mit diesen Abstand-Regeln da, die uns allen psychologisch nicht gut tun.

Bitte weiterlesen!

Die folgenden Links sind die besten Informationen, die mir in den letzten Tagen begegnet sind:

Author: Dirk Paessler

Founder and Chairman, Paessler AG; Founder and Executive, Carbon Drawdown Initiative

One thought on “Covid-19: Was *DU* tun kannst — wenn wir schon nicht zu “normal” zurück gehen können”

  1. Das im letzten Absatz ist nochmal ein wichtiger Punkt.

    Wir Menschen sind alle geneigt, einen Schuldigen zu suchen. Und einige versuchen es auch jetzt (die Chinesen warns/die Europäer/die Juden…). Aber wenn man alle Theorien, die herumgeistern, mal beiseite lässt, gibt es einfach keinen, den man dafür beschuldigen kann.

    Und ähnlich wie auch beim Klimawandel müssen wir auch jetzt gemeinsam “anpacken”, auch wenn viele Einzelpersonen denken “Was kann ich schon bewirken?” oder “Warum sollte ich denn verzichten?”.

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