Besser Zoomen, Teil 2: Professionelle Bildqualität für Video-Konferenzen statt billigem Webcam-Look

Mit den Grundlagen guter Zoom-/Video-Konferenzen hatte ich mich bereits in meinem Blog-Artikel “11 Tips für besseres Zoomen” beschäftigt. In dem Artikel hatte ich ausführlich geschrieben, dass man oft schon einen viel besseren Eindruck machen kann, wenn man statt der im Notebook eingebauten Webcam eine hochwertigere Webcam verwendet und bewusst auf das Licht achtet. 

Aber das ist nur der Anfang: Mit einigen alten Teilen meiner Kamera-Ausrüstung und ein paar gebrauchten bzw. neuen Zutaten von eBay und amazon.de konnte ich den Eindruck meiner Zoom-Personality deutlich aufpeppen.

(Sorry schonmal vorab für die vielen, wenig abwechslungsreichen Personen-Aufnahmen von mir in diesem Artikel… 🙂 ).

Vorher/Nachher-Vergleich

Das war das beste Bild von der Logitech Streamcam aus meinem ersten Artikel:

Hier jetzt im Vergleich dazu mein aktuelles Zoom-Bild aus der Fuji XT2:

Im zweiten Bild ist die “Präsenz” der Person im Bild viel markanter, ich bin deutlich abgesetzt vom Hintergrund. Dieser fast schon dreidimensionale Eindruck wird durch zwei Tricks erreicht:

  • Mein Kopf hebt sich klar vom unscharfen Hintergrund ab (“Bokeh” nennen das die Fotografen) => Gute Kamera!
  • Eine Drei-Punkt-Beleuchtung (“cinematic lighting”), bei der ich von rechts heller beleuchtet bin als von links, während der Hintergrund links heller ist als rechts, betont auch nochmal die Person vor dem Hintergrund => Gutes Licht!

Teil 1: Das Licht

In meinem Studio habe ich als normale Raum-Beleuchtung LED-Leuchten an der Decke, mit denen ich den Raum als Hintergrund ausleuchte und gleichzeitig den Lichtreflex auf meinem Kopf erreiche. Die Leuchtmittel haben eine Farbtemperatur von 2700 K, auf die ich dann alle weiteren Lampen und den Weißabgleich der Kameras eingestellte habe. Wenn nicht alle beteiligten Lampen die gleiche “Weiß-Farbe” haben, oder wenn sich natürliches Licht von draußen mit dem Kunstlicht mischt, wird es schwer bis unmöglich die Farben gut hinzubekommen (zum Zoomen schließe ich also tagsüber die Rollos).

45° von links beleuchtet mich das sogenannte “Key-Light”, das Hauptlicht. Hierfür habe ich bei ebay ein Elgato KeyLight erstanden für €135 (bei amazon.de neu für €250, ist aber ausverkauft und erst in 4 Wochen lieferbar). Dessen große weiße Fläche gibt viel Licht ab, ohne zu blenden, und erzeugt ein weiches, vorteilhaftes Licht. Von rechts, auch mit 45° Winkel, leuchtet eine Moman LED-Foto-Leuchte (neu für €100 bei amazon.de) auf etwa halber Kraft als sogenanntes “Fill-Light”, damit meine andere Gesichtshälfte nicht im vollen Schatten liegt.

Vollständiges Zoom-Setup mit Licht, Mikrofon, 2 Leuchten und 5 Kameras

Die folgenden Bilder zeigen, aus welchen unterschiedlichen Anteilen sich die komplette Licht-Komposition zusammensetzt:

Teil 2: Die Kamera(s)

Die folgenden fünf Kameras habe ich verglichen (von links nach rechts):

  • Die Actioncam: GoPro Hero 5 Black (€270 neu, €150 auf ebay)
  • Die Kompaktkamera: Sony RX 100 VI (€800 neu, €650 gebraucht)
  • Die “richtige” Kamera: Fuji XT2 mit 23mm f2 Objektiv (zusammen ca. €1.200)
  • Die “gute” Webcam: Logitech Streamcam (€150)
  • Die “billige” Webcam: Microsoft Lifecam (€30)

Die folgenden Beispiel-Bilder wurden alle mit dem gleichen Licht-Setup wie oben beschrieben gemacht.

Die Actioncam: GoPro Hero 5 Black

Meine Hero 5 verwende ich schon seit 11 Jahren und ich habe sie bisher maßgeblich als Action/Wasser-Kamera verwendet. Jetzt wurde eine Webcam daraus mit einem HDMI Kabel und dem Elgato CamLink 4K Modul (ca. €160 auf ebay, Neuware ist zur Zeit nicht lieferbar, aber Elgato hat Nachschub angekündigt).

Die Gopro macht scharfe Aufnahmen, aber leider bleibt das Bild sehr flau und es gibt keine Einstellungen an der Kamera, um das besser hinzubekommen.

Fazit: Besser als die billige Webcam, Platz 4!

Die Kompaktkamera: Sony RX 100 VI

Mit der RX-Serie bietet Sony seine leistungsfähigsten Kompakt-Kameras an. Ein großer 1-Zoll-Sensor kombiniert mit so vielen Einstellungsmöglichkeiten, wie man es sonst nur bei Spiegelreflex-Kameras kennt und alles passt in die Hosentasche – ein Traum für Fotografen.

Wie auch bei der Gopro braucht man das Cam-Link-Modul um das Kamerabild in den PC zu bringen. 

Fazit: Der Aufwand lohnt sich, mit der RX100 kam ich am schnellsten zum Ziel, das Bild ist scharf, der Hintergrund hat Bokeh-Unschärfe, der Autofokus ist exzellent. Platz 2!

Die “richtige” Kamera: Fuji XT2

Die etwas ältere Fuji XT2 lag jetzt fast 2 Jahre als meine Ersatz-Kamera im Schrank. Jetzt kommt sie als Webcam zu neuen Ehren. Der Hersteller Fuji hat erst vor 2 Wochen eine neue kostenlose Software (Fuji X Webcam) herausgebracht, mit dem man alle gängigen Fuji-Kameras per USB als Webcam an den PC anschließen kann.

Aus rein fotografischer Sicht bringt die Fuji den interessantesten und besten Eindruck. Die Bokeh-Unschärfe im Hintergrund ist besonders ausgeprägt (durch den großen Sensor und das hochwertige 23mm f/2 Objektiv) und auch die Farben gefallen mir besonders gut.

Aber: Diese Bildqualität erkauft man sich damit, dass man die Kamera komplett manuell einstellen muss: Belichtung, Blende, ISO, Weißabgleich, Fokus, usw. Dass die Fuji-Software nur ein 1024×768-Bildsignal weitergibt ist ein kleiner Nachteil, der sich aber bei Zoom-Konferenzen kaum auswirken dürfte. Hoffen wir auf die nächsten Versionen der Software!

Fazit: Die Fuji bringt das beste Bild, aber auch den meisten Aufwand. Klar Platz 1, aber nur für versierte Fotografen geeignet!

Die “gute” Webcam: Logitech Streamcam

Für €150 bekommt man ein ordentliches Bild, aber nur unter Verwendung der zugehörigen “Logitech Capture” Software, wo man einige Regler manuell anpassen muss.

Die Bildqualität bleibt zwar immer mindestens eine Klasse unter der RX100 und der Fuji, für eine Videokonferenz ist sie immernoch mehr als ausreichend, das Lichtkonzept funktioniert noch gut.

Fazit: Die Budget-Variante, die trotzdem ein gutes Bild bringt. Platz 3!

Die “billige” Webcam: Microsoft Lifecam HD 3000

Nun ja, darüber müssen wir nicht viele Worte verlieren. Verrauscht, unscharf, versumpft.

Fazit: €30 die sich nicht lohnen. Platz 5!

Das finale Ranking

Hier also die Hitliste der Kameras:

  • Platz 1: Fuji XT2 (aber vorerst nur für Foto-Freaks)
  • Platz 2: Sony RX 100 mit Camlink
  • Platz 3: Logitech Streamcam
  • Platz 4: GoPro Hero 5 mit Camlink
  • Platz 5: Microsoft Lifecam HD 3000

Daraus ergeben sich folgende zwei Empfehlungen:

Budget-Empfehlung (€300-500)

Man nehme ein Elgato KeyLight für €130 gebraucht oder €250 neu (oder besser zwei, wenn man das Budget hat), die man links und rechts neben dem Monitor aufstellt, und die Logitech Streamcam für €150. Einfach einzurichten und für den Aufwand das beste Bild. Wenn’s für das gute Elgato Licht nicht reicht, dann wenigstens zwei von den Moman-Lichtern für €100.

Empfehlung für Professionellen Look (€1100-1400)

Eine Kamera der Sony RX-Serie (Modell V, VI, oder VII) zwischen €700 und €1000, das Camlink 4K Modul (€140) und zwei Elgato Key-Lights für €130-250. Auch noch sehr überschaubar im Installations- und Einrichtungsaufwand, aber ein großartiges Bild.

Praktisches Zubehör

Zum Anklemmen der Leuchten und der Kameras an den Rahmen meines Monitors waren dieser Klemm-Stative für nur €11.- von Amazon.de besonders praktisch:

Balu, mein Assistent, bei einer Zoom-Konferenz

Author: Dirk Paessler

Founder and Chairman, Paessler AG; Founder and Executive, Carbon Drawdown Initiative

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