Die Fallzahlen gehen schon rauf – und wir wollen Schulen, Kitas *und* Bars wieder aufmachen?

Gestern las ich etwas verwundert: Aiwanger: Bars und Clubs sollen mit Speise-Angebot wieder öffnen. Ein Großkonzert mit 12.000 Teilnehmern soll in Düsseldorf stattfinden, wohlgemerkt in NRW, dem Bundesland mit den aktuell meisten Infektionen und dem stärksten Wachstum (fast die Hälfte aller deutschen Fälle sind in NRW).

Ständig gibt es Berichte über dezentrale organisierte, unangemeldete/illegale Parties, die die Regeln mit Füßen treten. Immerhin wurde entschieden, dass es vorerst keine Bundesliga-Fußballspiele mit Publikum geben soll.

Und gleichzeitig rufen alle – richtigerweise – nach möglichst weiten Schul-Öffnungen und normalem Kita-Betrieb, weil das die Kinder brauchen (und die Eltern). Aber wie soll das gehen? Es gibt Fachleute die sagen, dass man nur Schulen oder Bars aufmachen kann, weil beides die Pandemie anfeuert und beides zusammen zu viel Beschleunigung erzeugt. Dabei sind wir praktisch schon in der zweiten Welle. Geht’s denn echt nicht ohne Feiern und damit andere gefährden?

Es geht schon wieder stetig bergauf

Am 15.7.2020 hatten wir 340 neue Fälle (7-Tage Durchschnitt), am 3.8.2020, also 19 Tage später schon 680 neue Fälle pro 7 Tage. Die Verdoppelungszeit lag also bei 19 Tagen.

Gestern am 11.8. waren wir bei 928 Fälle/7 Tage was einer Verdoppelungszeit von 18 Tagen entspricht, also nicht besser. Eine Abflachung des Aufwärts-Trends ist nicht erkennbar. Wenn es so weitergeht haben wir

  • Anfang September 2.000 neue Fälle/7 Tage
  • Anfang Oktober 6.500 neue Fälle/7 Tage
  • Anfang November 21.000 neue Fälle/7 Tage

Zur Erinnerung: Den Lockdown im März haben wir bei 2.000 Fällen pro 7 Tage gestartet.

Was passiert, wenn eine Gesellschaft zu viel auf einmal öffnet kann man in Israel und in den USA gut sehen (ok, die USA haben noch viel mehr falsch gemacht, das ist kein fairer Vergleich). Auch Spanien und Singapur sind zu weit gegangen.

Können wir uns das bitte ersparen?

Für uns als Gesellschaft ist es (leider) schon eine genügend große Aufgabe, adäquate Regelungen und Prozesse zu schaffen, die es uns ermöglichen, möglichst viel “Schule zu machen” (ohne die Schulen nach 2 Wochen wieder zumachen zu müssen). Da können wir nicht auch noch gleichzeitig mit Bars, Konzerten und Fussballspielen starten.

Author: Dirk Paessler

Founder and Chairman, Paessler AG; Founder and Executive, Carbon Drawdown Initiative

One thought on “Die Fallzahlen gehen schon rauf – und wir wollen Schulen, Kitas *und* Bars wieder aufmachen?”

  1. Lieber Dirk, warum schauen wir immer auf Fallzahlen, wenn wir genau wissen, dass sie auch mit der Anzahl Testungen korrelieren wie Herr Spahn erläutert hat? Sollten wir nicht auf die Anzahl von Patienten schauen, die nicht nur positiv getestet wurden (von den die meisten nie etwas ohne Test merken würden, siehe Tönnies-Fall), sondern wirklich *erkranken und Hilfe brauchen*? Gibt es gute Zahlen dazu?

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