Corona: Wann kommt der Infektionszahlen-Knick in Deutschland? Was bei unseren Nachbarn passiert wird wohl auch bei uns passieren…

Welchen Grund sollte es geben, dass das was unseren Nachbarn bereits jetzt passiert, nicht auch demnächst bei uns passiert?

Durch Beobachtung der Daten unserer Nachbarn hatte ich am 6.3.2020 die Schulschließungen in Deutschland auf den Tag genau vorhergesagt. Auf die gleiche Weise entstand am 14.3.2020 meine Vorhersage des Lockdowns in Deutschland für den 22.3.2020.

Jetzt kommt wieder die gleiche Argumentation: Deutschland wird es nicht anders gehen als unseren Nachbarn, bei einigen bewegen sich die Infektionzahlen schon wieder steil nach oben. Wir haben (wieder!) das Glück, dass wir etwas hinterher sind, einige Dinge machen wir also richtig. Nur dass keiner weiß, ob wir 5 Tage, 5 Wochen oder 2 Monate hinterher sind. Die Frage ist: Werden wir diesen Wissensvorsprung nutzen?

Hier kommt ein Blick auf die Neuinfektionen in Deutschland und dazu der Vergleich aller unserer engeren und weiteren Nachbarn:

Hier geht’s zur Interaktiven Grafik bei ourworldindata.org

Deutschland hat aktuell den besten Wert, ist ganz unten. Sehr gut.

Wie man sieht sind eigentlich alle ganz gut bis in den Juli gekommen, dann geht es mit Juli zuerst in Spanien und Belgien los, Anfang August geht es dann in Kroatien, Holland und Frankreich steil nach oben. Inzwischen zeigen auch die Verläufe von Tschechien, Österreich, Ungarn, Dänemark und UK einen Knick nach oben.

In allen Ländern ist das Bild ähnlich: Nach einer längeren Phase, in der sich die Zahlen seitwärts entwickelt haben, geht es plötzlich steil nach oben. Den Grund dafür – neben Ende der Ferien, d.h. alle gehen wieder arbeiten und in die Schule – hat Prof. Drosten in seinem Podcast #54 letzte Woche ausführlich erläutert: Perkolation. Über den Sommer hatte das Virus viel Zeit sich in der Fläche auszubreiten. Es war nicht weg. Still und heimlich ist es jetzt überall. Und wenn sich genügend Infektionen in der Fläche entwickelt haben, kommt es zum Ausbruch, so wie wir das in den o.g. Ländern sehen – die zu dem Zeitpunkt ihr Verhalten nicht plötzlich verändert haben. In aktuellen ZEIT-Artikel “Wir können Corona noch stoppen” wird das auch sehr gut erklärt.

Hier zwei Grafiken, die die Neuinfektionslage in den deutschen Landkreises im Juni und jetzt zeigen.

Bilder aus dem täglichen Lagebericht des RKI vom 10.9. und 4.6.

Hier ist gut zu sehen, dass sich im ganzen Land die Infektionszahlen erhöht haben, wir haben keine “Brennpunkte”, die werden von den Gesundheitsämtern noch erfolgreich gestoppt. Aber wenn das jetzt in der Fläche plötzlich mehr wird, kommen die nicht mehr nach.

Dabei scheinen sich die Bilder der Ausbrüche zu ähneln. In Spanien und Frankreich ging es jeweils mit den jungen Leuten zwischen 15 und 30 Jahren los – dann verbeitet sich das Virus in die anderen Altergruppen:

Quelle

Und das könnte sich jetzt auch in Deutschland so ergeben, wie diese grafische Aufbereitung der RKI Zahlen pro Bundesland zeigt:

Quelle

In den Bundesländern BW, BY, BER, HH, HE, NS, NRW, RP sind ab Woche 33/34 deutliche Erhöhungen der Inzidenzen bei den jungen Menschen zu sehen (grüne Markierungen). In NRW, RP, HH und Berlin ist auch klar zu sehen, dass der Peak in Woche 2 und 3 NACH Ferienende auftritt, das sind also keine Reiserückkehrer mehr, sondern neue Infektionen in DE.

Wie gesagt, niemand weiss, wann die “Sättigung” im Land so groß ist, dass es wieder zu einem exponentiellen Wachstum kommt. Das kann Tage oder Wochen weg sein. Im ZEIT-Artikel steht: “Ein Ausbruch kommt ohne Ansage”.

“Exponentielles Wachstum gerät schnell außer Kontrolle, gerade dann, wenn wir uns einbilden, wir hätten es im Griff.” […] “Natürlich kann es auch sein, dass wir glimpflich davonkommen. Wer behauptet, er wüsste das, lügt.”

Mathias Schneider in der ZEIT

Aus der Beobachtung unserer Nachbarn (und der Beobachtung einiger eher leichtsinniger Mitbürger) scheint es mir sehr unwahrscheinlich zu sein, dass uns das erspart bleibt. Hoffentlich habe ich nicht recht damit.

Nutzen wir unseren Wissensvorsprung! Also bitte: Maske tragen, Lüften, Abstand halten, Interaktionen mit anderen Menschen einschränken, Menschenansammlungen meiden, insbesondere in Innenräumen.

Nachtrag 16.9.2020: Auch in Österreich das gleiche Bild, es geht mit den Jugendlichen los.

Author: Dirk Paessler

Founder and Chairman, Paessler AG; Founder and Executive, Carbon Drawdown Initiative

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