Ein Blick auf die “Pandemie-Mechanik” im Herbst 2022 mit Modellrechnungen

Kurzfassung

  • In den (hypothetischen!) Modellrechnungen mit den mir aktuell zur Verfügung stehenden Parametern scheint eine Welle im Sep-Nov 2022 kaum vermeidbar
  • Weder eine Impfkampagne noch frühzeitige Verhaltensänderungen scheinen eine signifikante Welle noch verhindern zu können (beide Optionen würden aber die Krankheitslast verringern)
  • Durch die verhinderten/verschobenen Infektionen und inzwischen absinkende Immunität könnten beide Optionen die Wellenspitze sogar heftiger ausfallen lassen
  • Die Welle würde wohl wieder zu spürbaren Personalausfällen führen (und Longcovid-Belastung)
  • Wir können nur hoffen, dass die relative Krankheitslast (CHR/CFR) weiter sinkt
  • Aber Achtung: Wir haben viele Unsicherheiten bei Fallzahlen, Immunität (Ausmaß des Verlusts nach Infektion/Impfung?) und Krankheitslast
  • Leute, nutzt die ruhige Zeit bis August weise!
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Modellrechnung: Ausblick auf die nächsten 4 Wochen und Rückblick auf Modell vom 9.4. nach 5 Wochen

Vorab: Beim Lesen einiger (z.T. unterirdischer) Kommentare fällt mir immer wieder auf, dass einige Leser den Sinn von Modellen/Szenarien und die Arbeitsweise grundlegend nicht verstanden haben (und folglich eher unpassende Kommentare abgeben).

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Rückblick auf das inzwischen 3 Wochen alte Modell vom 9.4., Vergleich mit tatsächlich Daten und Ausblick

Kurz: Pessimistisches Szenario traf Inzidenz und Hospitalisierungen sehr gut. ITS verlief nach zentralem Szenario (wird im Modell korrigiert).
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Blick auf Inzidenz: Das pessimistische Szenario von vor 3 Wochen liegt aktuell ziemlich gut. Die RKI-Kurve zeigt die kleine “Lockerungs-Welle” in der Woche nach dem 11.4. nicht so wie dies im Modell berechnet wurde (Meldelücke).

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Rückblick auf Modellrechnung vom 9.4. mit Blick auf die aktuelle Zahlen

Noch sind wir nicht aus Feiertage-Datennebel heraus, erst Do/Fr sehen wir wieder klarer. Trotzdem schonmal ein Vorab-Rückblick auf meine Modellrechnung vom 9.4.2022.

Kurz: Entwicklung liegt wohl beim Szenario "pessimistisch". Die RKI-Fallzahlen zeigen den Oster-Peak nicht.
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Die Grafik zeigt, dass Inzidenz, ITS-Belegung und Hospitalisierungen zwischen dem "zentralen Szenario" und dem "pessimistischen" Szenario liegen und damit ziemlich in der Mitte meines Szenarien-Bündels. Modellrechnung hat also ihren Zweck erfüllt.
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Update Modellrechnungen: Was passiert nach dem 2.4.2022?

Kurzzusammenfassung

  • Modellrechnung von vor 10 Tagen lag etwas zu hoch weil Dunkelziffer angestiegen ist und weil Verhaltensänderungen etwas kleiner ausfielen als modelliert.
  • Zentrale Aussage: Modelle können für die nächsten Wochen nur den Fall “ohne Verhaltensänderungen” berechnen, weil niemand weiß, wie sich Verhalten/Lockerungen verändern werden. Das ist jetzt hier ein lustiges Ratespiel. Suchen Sie sich eine Linie aus und wir sprechen uns in 2 Wochen wieder. Viel Glück.
  • Den April werden wir wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit bei allen Schlüsselzahlen auf hohem Niveau verbringen. Entspannung sehe ich frühestens ab Mai.
  • Eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems (gemessen an Hospitalisierungen und ITS-Patienten, wenn das denn die richtigen Messgrößen wären) kann man hier nicht herauslesen. Je nach Gesetzesauslegung wird es damit wohl schwierig mit den Hotspots – beim aktuellen Gesetzestext.
  • Ist allen klar, dass sich die aktuelle Rate der Personalausfälle noch bis Mai so weiter hinziehen könnte, ggf. sogar noch ansteigt?
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Die aktuellen Modellrechnungen sehen nicht gut aus

Kurzfassung

  • Zeitpunkt für Lockerungen ungeeignet, insb. in diesem Umfang
  • In Modell schießen Fallzahlen und Krankenhausbelastung im April nach oben
  • Nur das optimistische Szenario scheint mir noch erträglich zu sein.
  • Um dies zu erreichen dürften alle Bürger in Deutschland die Lockerungen nicht einmal im Ansatz ausnutzen.
  • Ohne neue staatliche Eingriffe, egal ob mit “Hotspot-Regelung”, Schnell-Neuauflage des IFSG oder wie auch immer, wird es schwierig.
  • Brauchen wir eine Nachbesserung des IFSG in ein paar Wochen?

Hinweis für alle Anti-Modell-Fans: Hier geht es nicht darum, dass wir lockern (das hat zum richtigen Zeitpunkt natürlich seine Richtigkeit, wir wollen alle möglichst viel Normalität im Sommer haben), sondern es geht um Zeitpunkt/Abfolge der Lockerungen.

Achtung bei Zeitachse und Peak-Höhe der Grafiken: Bei allen Zeitverlaufs-Grafiken bitte beachten, dass es nahezu unmöglich ist, den tages-genauen Zeitpunkt (und damit auch die Höhe) des Peaks vorherzusagen. Kommt der Peak einige Tage früher, ist er auch niedriger. Und trotzdem, mein Modell hatte schon Mitte Dezember 2021 den BA.1-Peak im Februar (abgesehen von steigender Dunkelziffer wg. Testveränderungen) und den Verlauf danach sehr gut vorhergesagt.

Einleitung: Ein fast unberechenbares Risiko

Wir haben uns – ohne Not – in eine sehr schwierige Situation manövriert, unsere Risiken für in den nächsten Wochen sind groß wobei die Spitzenwerte kaum berechenbar bleiben.

Als Modellierer schaue ich ziemlich fassungslos auf die aktuelle Situation in Deutschland. Das ist nahe am “perfect storm“:

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Update Modellrechnung: Wie könnte unsere EXIT-Welle nach dem 20.3.2022 aussehen?

Fangen wir an mit einem kleinen Rückblick. Bis Ende letzter Woche lagen meine Modellrechnungen von vor 3 Wochen noch echt gut. Aber seit dem Wochenende geht es aufwärts, und zwar mit Schwung. Die Wirkung der Lockerungen vom letzter Woche hatte ich also beim Modellieren unterschätzt, ich war zu optimistisch.

In dieser Woche steuern wir auf eine um 20% höhere Fallzahl zu als in der Kalenderwoche davor. Damit liegen wir jetzt oberhalb des pessimistischen Szenarios vom 19.2.2022 (aber immerhin noch im Unsicherheitsbereich, graue Fläche). Das pessimistische Szenario war nicht pessimistisch genug.

Es kam also zu einer stärkeren Veränderung des Verhaltens als sogar pessimistischer weise angenommen. Ich nehme an, dass das viele Reden über einen Freedom-Day am 20.3. und die ersten Lockerungen für viele Menschen ein Signal war, dass man nicht mehr so aufpassen muss.

Wie geht es weiter?

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Update-Modellrechnungen: Wie geht es weiter nach dem BA.1-Peak?

Mir scheint wir sind über den BA.1 Peak hinweg (siehe mein Twitter Thread). Aber wie geht es weiter?

Kurzfassung:

  • Dass die Pandemie jetzt einfach abebbt ist m.E. noch nicht ausgemachte Sache
  • Die Lockerungen verlängern die Omikron-Welle um viele Wochen, in keinem Szenario hätten wir bisher wenigstens schon die Hälfte der Fälle erreicht.
  • Wenn wir die Lockerungen zu weit treiben könnten wir heftige Rebound-Wellen erzeugen.
  • Wahrscheinlich sollten wir die Lockerungen vom 20.3. um 2-3 Wochen nach hinten schieben.
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