Corona: Pandemie-Modellrechnung (V2.0) mit 7 Beispiel-Szenarien für 2021

Vor ein paar Tagen habe ich hier ein Modell vorgestellt, mit dem ich versuche, den weiteren Verlauf der Pandemie bis Ende des Jahres zu berechnen. Mehrere Tausend Besucher haben sich meinen Blogeintrag inzwischen angeschaut und einige haben sehr hilfreiches Feedback abgegeben für die Verbesserung des Modells (u.a. auf Twitter) – danke dafür! Mit diesen Ergänzungen haben wir jetzt eine neue Version 2.0 des Modells (Download und Beschreibung am Ende der Seite), das wir jetzt mal anwenden wollen.

Das Ziel für den Einsatz meines Modells war es, die Wirkung verschiedenerer Veränderungen von Regelungen/Verhalten auf den weiteren Verlauf zu verstehen. Als Gesamtgesellschaft haben wir praktisch nur eine Möglichkeit auf den weiteren Verlauf einzuwirken: Indem wir durch Verhaltensveränderungen den R-Wert verändern. Lockerungen senken den R-Wert, Lockerungen steigern ihn.

Also, dann schauen wir uns doch mal 7 Szenarien an. Ich stelle diese Berechnungen und meine Daten hier wieder zu Diskussion und freue mich über Feedback auf auf Twitter.

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Corona: Eine Pandemie-Modellrechnung für 2021 (RFC)

Update 1.3.2021:
Es gibt ein Update dieses Modells, bitte zuerst dort weiterlesen.

Hase oder Igel? Gewinnen die Impfungen oder die Mutationen?

Wir alle sind pandemie-müde, wollen nur noch raus aus dem Lockdown. Brauchen eine Verschnaufpause. Aber die harte Wahrheit ist: Wir haben zwar den Ansturm der zweiten Welle gerade fast niedergerungen, aber mit den Mutationen wie B.1.1.7 gelten jetzt andere Regeln. Man kann sich das schon ein bisschen wie eine weitere Pandemie mit einem ansteckenderen Virus vorstellen, die durch die deutlich höhere Ansteckungsrate schwerer zu kontrollieren ist.

„Wir haben quasi eine Pandemie in der Pandemie in der Pandemie. Das geht so lange weiter, bis wir auch die Ausbreitung der letzten Variante kontrollieren können.“ sagt Biontech-Chef Uğur Şahin im Spiegel in einem insgesamt hoffnungsvollen Interview.

Die nächsten Woche werden geprägt sein vom Für und Wider von Lockerungen und Verschärfungen. Auf oder zu? Wer hat recht? Und was passiert wenn wir mehr auf oder mehr zu machen? Unser Bauchgefühl ist angesichts von exponentielle Pandemie-Arithmetik aber kein guter Ratgeber dabei.

Für solche Fragestellungen holt man sich Hilfe bei der Mathematik, denn die Pandemie folgt sehr simplen mathematischen Konzepten. In der Tat ist der Verlauf der Pandemie sehr gut berechenbar. Dagegen sind die Veränderungen der Regelungen und das Verhalten der Menschen schwer zu berechnen. Und dann ist da noch die Frage, ob wir das Impftempo steigern können. Und was uns das bringt…

Im Folgenden möchte ich ein sehr vereinfachtes Prognose-Modell vorstellen, mit dem wir für die Pandemie bis Ende 2021 in die Zukunft schauen können, und bei dem wir dann mit Lockerungen/Verschärfungen oder schnelles/langsames Impfen „spielen“ können, um die Auswirkungen in den Folgemonaten zu sehen.

Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen (Mark Twain)

Nach meiner Beobachtung ist die Wirkung von exponentiellen Prozessen auch nach einem Jahr Pandemie immer noch nicht vollständig in der öffentlichen Diskussion durchgedrungen. Deshalb nun dieser Versuch, das Verständnis zu verbessern.

WICHTIG: Dies ist ein modell-basierter Beitrag zur Debatte um Corona und dem Umgang damit. Ich stelle hier ein sehr einfaches und damit nachvollziehbares Berechnungsmodell vor, in das sich interessierte Leser eindenken können und das auf ganz einfacher Mathematik basiert. Dies ist ein bewusster Gegenentwurf zu den komplexen Modellen der Epidemiologen, in die man als Laie nicht reinschauen kann.

Diese Prognose möchte ich bitte nicht als Doomsday-Szenario verstanden wissen, aber es darf uns aufrütteln und klar machen, dass es sehr schwer werden wird, mit den aktuellen Methoden (Kanzlerin und MP treffen sich alle 2 Wochen und entscheiden) den möglichen Auswirkungen eines exponentiellen Wachstums beizukommen.

Ich bitte um Kommentare, Kritik, Verbesserungsvorschläge. Die Google Sheet Datei ist öffentlich einsehbar (Link am Ende des Artikels). Dabei freue ich mich über jeden der mir nachvollziehbar erklärt, warum meine folgenden (unschönen) Ergebnisse so nicht kommen werden. Diskussion bitte per Twitter an @dpaessler.

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#nocovid: Offener Brief an die Bürgermeister meiner Heimatregion

An die
Oberbürgermeister der Städte
Nürnberg, Fürth, Erlangen, Herzogenaurach

Fürth, den 18.2.2021

Offener Brief: Machen Sie unsere Städte und Region zur grünen Zone! Bekennen Sie sich zu #nocovid!

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“Stabile Inzidenz von höchstens 35” am 7.3.2021? Eher unwahrscheinlich!

Im gestrigen Beschluss der Ministerpräsidenten-plus-Merkel-Gespräche steht:

“Erst wenn eine »stabile« Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen erreicht ist, sollen weitere Öffnungen durch die Länder folgen.”

(Quelle)

Endlich hat man sich dazu durchgerungen eine Zielinzidenz zu nennen statt immer nur ein Datum zu nennen. Als #nocovid Fan sind mir die 35 natürlich immernoch viel zu hoch (das Ziel sollte <10 sein), aber ich halte mich mal am Wort “stabil” fest.

Eine offensichtlich taktische Lücke in dieser Formulierung ist auch, dass es keine Angabe gibt, auf welcher Bezugs-Fläche die Inzidenz 35 berechnet wird. Von ganz Deutschland? Oder gilt das per Bundesland oder Landkreis? Wer hier schon länger mitliest weiss, dass die deutschlandweite Inzidenz keine gute Meßzahl für die Ausbreitung des Virus ist. Das ist ein Megaschlupfloch für die Landesfürsten…

Wir müssen im Hinterkopf behalten, dass in den nächsten Wochen die B.1.1.7-Variante einen Großteil des Infektionsgeschehens übernehmen wird (die Frage ist nur WANN nicht OB), sodass alleine aus dieser Sicht eine “stabile” Inzidenz am 7.3.2021 eher unwahrscheinlich ist (weil die Variante wesentlich ansteckender ist, und bald die Zahlen wieder steigen werden).

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Wie kommen wir in den Sommer? Drei Szenarien für die nächsten 3-6 Monate

Im Moment sind wir irgendwie in so einer Zwischenphase: Die zweite Welle geht mühsam runter, das zieht sich aber wie Gummi. Gleichzeitig ahnen wir beim Blick zu unseren Nachbarn, dass da mit den Mutationen noch was Größeres auf uns zukommt in den nächsten Monaten — man glaubt schon gar nicht mehr, dass das mit den Lockerungen noch was wird.

Um mir selbst etwas mehr Durchblick zu verschaffen, versuche ich hier, mir die aktuellen Faktenlage selber zu erklären und da irgendwie einen roten Faden reinzubringen. Vielleicht ist das ja auch für Euch hilfreich, um etwas mehr Überblick zu behalten.

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Wie man Live-Landkreis-Karten aus den Risklayer-Corona-Daten macht – ohne Programmieren

In meinen Blog-Post und Tweets der letzten Tage habe ich verschiedene Landkreis-Karten geteilt, die für die Landkreise Deutschlands den Verlauf des Corona-Ausbruchs-Geschehen dargestellt haben. Bis Freitag waren die alle manuell erstellt… Umständlich!

Das muss doch auch automatisch gehen! Und zwar bitte ohne programmieren und kostenlos… Die Cloud macht es möglich!

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Wie viele Tage bräuchte jeder Landkreis bis Inzidenz 50, wenn alles “einfach” so weiterliefe?

Hier kommt ein Versuch, für jeden Landkreis Deutschlands tagesaktuell vorherzusagen, wie lange es dauert bis der Landkreis unter Inzidenz 50 kommen würde, wenn….

Wichtig: Was hier jetzt kommt ist natürlich keine verlässliche Prognose! Die Inzidenzen verändern sich durch aufflackernde Super-Spread-Events, Meldeverzögerungen, usw. ständig. Die Wirkung der stärker ansteckenden Varianten können wir genauso wenig vorhersagen wie die in den nächsten Wochen stattfindenden Verschärfungen und Lockerungen des Lockdowns, die sofort die Entwicklung beeinflussen werden.

Aber ich wollte trotzdem wissen, wie weit wir auf unserem Weg zur 50 quer durch das Land sind (auch wenn ich mir lieber 25 oder 10 als Ziel wünschen würde, #nocovid!). Denn der ständige Blick, den insbesondere die Medien nur auf die deutschlandweiten Zahlen werfen, versteckt wichtige Details. Wir dürfen dabei auch nicht nur auf die Inzidenz schauen, ganz essentiell wichtig (wenn nicht sogar wichtiger) ist der Blick darauf, ob diese Zahlen gerade rauf oder runter gehen.

Die Sink- und Wachstumsraten sind dabei völlig unterschiedlich, wie man an der folgenden Karte sieht:

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Corona: Eine landkreis-basierte Betrachtung der Entwicklung der Inzidenz

An Weihnachten, 8 Tage nach Beginn des “harten” (hust) Lockdowns am 16.12.2021, hatten RKI und Risklayer die höchsten 7-Tage-Neuinfektionszahlen gemeldet. Dann kamen die Feiertage, an denen sich sowohl das Verhalten der Menschen verändert hat als auch das Meldewesen unzuverlässig wurde: Es wurden viel weniger Tests durchgeführt, viele Meldungen waren um Tage verzögert, und es gab hier und da technische Probleme bei der Übermittlung. Erst seit ca. einer Woche beruhigen sich die gemeldeten Zahlen und werden wieder brauchbar um die Situation zu beurteilen. Und wir sehen, dass die Zahlen runtergehen. Gut!

Aber wie gut ist das? “Naja gut” oder “richtig gut”? Und kann man die Lage überhaupt mit einem Blick auf die gesamtdeutsche Zahlen der Infektionen beurteilen? Denn… die Lage im Land ist nicht überall gleich!

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CO₂-Monitoring: Gegen schlechte Luft im Klassenzimmer

Der CO₂-Gehalt der Luft im Klassenzimmer verrät uns wie viele böse Aerosole in der Luft sind – und damit auch wie viele Corona Viren in der Luft sein könnten. Durch Beobachtung des CO₂ Wertes weiß man, wann man lüften muss. Und überhaupt lernt es sich mit unverbrauchter Luft viel besser, das sagen Lüftungs-Experten schon seit vielen Jahren – denn zu viel CO2 macht tatsächlich müde.

Daher gibt es das Pilotprojekt der Paessler AG zur Messung von CO₂- und anderen Raumluftwerten an der Montessori Schule Herzogenaurach.

Alles weitere im Blog der Schule: