Corona: Die mathematischen Grundlagen der Pandemie (oder: Wie wir zurück in ein normales Leben kommen)

In diesem Artikel möchte ich versuchen die mathematischen Zusammenhänge der pandemischen Virus-Verbreitung an hand von Infektionszahlen leicht verständlich darzustellen. Mit Blick auf diese Zusammenhänge wird schnell klar, dass wir mit dem Virus nicht verhandeln können. Nur mit klaren politischen Entscheidungen und Handlungsanweisungen für die Bevölkerung können wir die Ausbreitung stoppen, durchmauscheln geht nicht.

Gerade jetzt, wo wir wissen, dass Impfstoffe in greifbarer Nähe sind UND dass diese Impfstoffe nachhaltigen Schutz erwarten lassen, ist es um so wichtiger bis zur Impfkampagne nicht mehr unnötig viele Infektionen, Erkrankungen und Tote zu riskieren.

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Corona: Verantwortung in die Schule geben – Ein Brief an Dr. Markus Söder

So kann es in den Schulen nicht weitergehen!

In meiner Funktion als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Montessori-Schule in Herzogenaurach habe ich einen Brief an Ministerpräsident Dr. Markus Söder geschrieben. Und der Vorstand und die Schulleitung der Schule haben auch noch je einen Brief geschrieben.

Hier mein Brief:

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Lockdown-Light reicht wohl nicht aus (Teil 2)

Letzte Woche hatte ich in meinem Artikel “Lockdown-Light reicht nicht: Ich gebe dem Regelbetrieb in Schulen usw. maximal noch 2-3 Wochen…” schon argumentiert, dass der Lockdown nicht reichen könnte.

Das wird aus meiner Sicht jetzt noch klarer. Schauen wir uns mal wieder ein paar Zahlen an und ich schlage eine mögliche Interpretation der Zahlen vor:

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Lockdown-Light reicht nicht: Ich gebe dem Regelbetrieb in Schulen usw. maximal noch 2-3 Wochen…

Schauen wir uns einige aktuelle Zahlen zu Corona und den Auswirkungen auf Kliniken und Todeszahlen an. Dabei wird relativ schnell klar, dass wir auch in Deutschland nicht um erheblich schärfere Maßnahmen wie Schulschließungen und Bewegungseinschränkungen herumkommen werden, und das in weniger als 2 Wochen. Zu glauben, dass wir uns mit einem 4-wöchigen “Lockdown Light” durchmogeln können, wird sich aus meiner Sicht als naive Idee erweisen.

Um das klar zu sagen: Ich will keinen Lockdown herbeireden, die Verschärfung des Lockdowns ergibt sich aus meiner Sicht einfach nur aus den nachfolgenden Fakten. Natürlich finde ich es auch wünschenswert und erstrebenswert, dass die Schulkinder und Eltern nicht unter Schulschließungen leiden sollten. Genauso wenig ist es gut, die Gastronomie usw. zu schließen. Dem Virus sind unsere Wünsche aber leider egal, insbesondere wenn er sich exponentiell verbreitet. Bei unseren Nachbarn (z.B. Belgien, Tschechien, Schweiz) können wir jetzt schon zuschauen, wie das Gesundheitssystem am Ende ist. Wenn wir nicht sehr bald “mehr tun”, sind wir in 3-4 Wochen auch an dem Punkt.

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Corona: Ein Lockdown über Weihnachten/Neujahr kommt zu spät

Stell Dir vor, Du bist politischer Entscheider in Deutschland, und Du hast verstanden, dass die Corona-Infektionen ohne einen 3-4 wöchigen Lockdown das Gesundheitssystem komplett überrollen werden. Dann könntest Du Dir denken: “Hey, zwischen Weihnachten und Dreikönig ist das Land eh im Winterschlaf, dann machen wir doch unseren Lockdown über die Feiertage. Da sind Schulen und viele Firmen sowieso zu oder auf halber Kraft.”

Klingt erstmal nach einer guten Idee, nunja…. abgesehen davon, dass damit das Weihnachtsfest Deiner Bürger im Eimer ist. Und außerdem kommt der Lockdown dann leider zu spät.

Schauen wir uns das Stück für Stück an…

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Vorhersage-Versuch: Wann gibt es wieder Lockdown-ähnliche Einschränkungen in Deutschland?

Man braucht kein Prophet zu sein um zu ahnen, dass Deutschland nicht verschont bleiben wird von erheblichen Einschränkungen zum Ausbremsen der Pandemie, wie wir sie bei unseren Nachbarn schon wieder sehen. Aktuell verdoppelt sich die Anzahl der Infektionen in Deutschland alle 10-12 Tage, morgen am 15.10.2020 werden wir nah an oder schon über 6.000 Neuinfektionen liegen. Und die Anzahl der belegten Intensivbetten und der Toten steigt auch schon wieder an, weil die Infektionen auch wieder die älteren Mitbürger erreichen.

Die Politik ringt – wie im Frühjahr – wieder damit, neue Einschränkungen auszusprechen und hofft noch darauf, dass die Bürger sich vernünftig verhalten und selbst einschränken um die Kurve zu bremsen. Aber mir scheint, dass wir ohne erhebliche Einschränkungen das starke Wachstum der Infektionen nicht in den Griff bekommen werden. Und je früher wie sie einführen, umso wirksamer sind sie, das haben wir uns ja selber im März schon bewiesen.

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Corona: Wann kommt der Infektionszahlen-Knick in Deutschland? Was bei unseren Nachbarn passiert wird wohl auch bei uns passieren…

Welchen Grund sollte es geben, dass das was unseren Nachbarn bereits jetzt passiert, nicht auch demnächst bei uns passiert?

Durch Beobachtung der Daten unserer Nachbarn hatte ich am 6.3.2020 die Schulschließungen in Deutschland auf den Tag genau vorhergesagt. Auf die gleiche Weise entstand am 14.3.2020 meine Vorhersage des Lockdowns in Deutschland für den 22.3.2020.

Jetzt kommt wieder die gleiche Argumentation: Deutschland wird es nicht anders gehen als unseren Nachbarn, bei einigen bewegen sich die Infektionzahlen schon wieder steil nach oben. Wir haben (wieder!) das Glück, dass wir etwas hinterher sind, einige Dinge machen wir also richtig. Nur dass keiner weiß, ob wir 5 Tage, 5 Wochen oder 2 Monate hinterher sind. Die Frage ist: Werden wir diesen Wissensvorsprung nutzen?

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Corona: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich heute einem Infektiösen begegne?

Es gibt ja zwei Perspektiven was die Vermeidung von Infektionen angeht:

  1. Die gesellschaftliche/epidemiologische Perspektive: Wie bremsen wir die Verbreitung des Virus?
  2. Die individuelle Perspektive: Wie vermeide ich, dass ICH mich infiziere?

Die Maßnahmen, die wir als Gesellschaft im Rahmen der ersteren Perspektive vornehmen (Test/Trace/Isolate, Veranstaltungen verbieten, Masken in öffentlichen Räumen vorschreiben, im Eskalations-Fall auch ein Lockdown, usw.) machen Deutschland bisher im weltweiten Vergleich besonders erfolgreich im Umgang mit Corona. Aber sie sind nicht ausreichend, um jeden Einzelnen vor Infektionen zu schützen. Damit Leben und Wirtschaft in Deutschland nicht komplett zusammenbrechen können wir natürlich auch nicht bis 2021 alle Kontakte vermeiden und im Lockdown leben. Wir müssen mit dem Risiko leben, dass es zu Infektionen kommen kann.

Damit jeder sein persönliches Risiko abschätzen kann wäre es gut, wenn man wüßte, wie wahrscheinlich es ist, dass man in einer bestimmten Situation einem Infektiösen begegnet – und daran richtet man sein Verhalten (Abstand, Maske, usw.) aus.

Der Antwort auf diese Frage möchte ich in diesem Artikel annähern – ist nämlich nicht ganz so einfach.

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Corona: Wie CO₂-Messgeräte Aerosol-Infektionen in Büro/Klassenzimmer vermeiden können

Das Corona-Virus kann übertragen werden

  1. durch Schmier-Infektion (kontaminierte Flächen berühren und dann in Mund/Nase/Augen fassen),
  2. durch Tröpfchen-Infektion mit ca. 2 m Reichweite (kleine Tröpfchen aus Mund/Nase gelangen beim Gegenüber in Mund, Nase, Augen), oder
  3. durch Aerosol-Infektion mit 10 m Reichweite oder mehr (superfeine kleine Tröpfchen entstehen beim Atmen, Sprechen, Singen und schweben längere Zeit durch die Luft und werden eingeatmet oder gelangen in die Augen).

Dies verhindern wir jeweils

  1. Schmier-Infektion: durch Händewaschen, Hand-/Flächendesinfektion, und Abstand halten
  2. Tröpfchen-Infektion: durch Abstand halten und geeignete und gut sitzende Masken (Mund-Nase-Schutz)
  3. Aerosol-Infektion: durch Masken (am besten FFP2) und durch Vermeiden von schlecht gelüfteten Räumen mit vielen Menschen

Christian Drosten hat im Juni schon vermutet, dass maximal 20% der Infektionen durch Schmierinfektion erfolgen, und dass Tröpfchen und Aerosole jeweils mit 40% beteiligt sind. Es gibt Fachleute, die meinen, dass Aerosol-Ansteckung sogar den größten Teil ausmachen, ganz sicher aber den großen Teil der Super-Spreader-Events, wo eine Person zig oder hunderte Menschen anstecken kann (siehe zweistündige Chor-Probe mit 61 Leuten und einem Infizierten, alle habe brav Abstand gehalten. Ergebnis: 32 Infizierte, 3 mussten ins Krankenhaus, 2 Verstorbene).

Die Regeln für #1 und #2 haben nun die meisten schon gut auf dem Radar, aber das mit den Aerosolen noch nicht. Also, was können wir tun für #3?

Was heißt denn schlecht gelüftet?

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Die Fallzahlen gehen schon rauf – und wir wollen Schulen, Kitas *und* Bars wieder aufmachen?

Gestern las ich etwas verwundert: Aiwanger: Bars und Clubs sollen mit Speise-Angebot wieder öffnen. Ein Großkonzert mit 12.000 Teilnehmern soll in Düsseldorf stattfinden, wohlgemerkt in NRW, dem Bundesland mit den aktuell meisten Infektionen und dem stärksten Wachstum (fast die Hälfte aller deutschen Fälle sind in NRW).

Ständig gibt es Berichte über dezentrale organisierte, unangemeldete/illegale Parties, die die Regeln mit Füßen treten. Immerhin wurde entschieden, dass es vorerst keine Bundesliga-Fußballspiele mit Publikum geben soll.

Und gleichzeitig rufen alle – richtigerweise – nach möglichst weiten Schul-Öffnungen und normalem Kita-Betrieb, weil das die Kinder brauchen (und die Eltern). Aber wie soll das gehen? Es gibt Fachleute die sagen, dass man nur Schulen oder Bars aufmachen kann, weil beides die Pandemie anfeuert und beides zusammen zu viel Beschleunigung erzeugt. Dabei sind wir praktisch schon in der zweiten Welle. Geht’s denn echt nicht ohne Feiern und damit andere gefährden?

Es geht schon wieder stetig bergauf

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