Rückblick auf Modellrechnung vom 9.4. mit Blick auf die aktuelle Zahlen

Noch sind wir nicht aus Feiertage-Datennebel heraus, erst Do/Fr sehen wir wieder klarer. Trotzdem schonmal ein Vorab-Rückblick auf meine Modellrechnung vom 9.4.2022.

Kurz: Entwicklung liegt wohl beim Szenario "pessimistisch". Die RKI-Fallzahlen zeigen den Oster-Peak nicht.
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Die Grafik zeigt, dass Inzidenz, ITS-Belegung und Hospitalisierungen zwischen dem "zentralen Szenario" und dem "pessimistischen" Szenario liegen und damit ziemlich in der Mitte meines Szenarien-Bündels. Modellrechnung hat also ihren Zweck erfüllt.
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Update Modellrechnungen: Was passiert nach dem 2.4.2022?

Kurzzusammenfassung

  • Modellrechnung von vor 10 Tagen lag etwas zu hoch weil Dunkelziffer angestiegen ist und weil Verhaltensänderungen etwas kleiner ausfielen als modelliert.
  • Zentrale Aussage: Modelle können für die nächsten Wochen nur den Fall “ohne Verhaltensänderungen” berechnen, weil niemand weiß, wie sich Verhalten/Lockerungen verändern werden. Das ist jetzt hier ein lustiges Ratespiel. Suchen Sie sich eine Linie aus und wir sprechen uns in 2 Wochen wieder. Viel Glück.
  • Den April werden wir wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit bei allen Schlüsselzahlen auf hohem Niveau verbringen. Entspannung sehe ich frühestens ab Mai.
  • Eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems (gemessen an Hospitalisierungen und ITS-Patienten, wenn das denn die richtigen Messgrößen wären) kann man hier nicht herauslesen. Je nach Gesetzesauslegung wird es damit wohl schwierig mit den Hotspots – beim aktuellen Gesetzestext.
  • Ist allen klar, dass sich die aktuelle Rate der Personalausfälle noch bis Mai so weiter hinziehen könnte, ggf. sogar noch ansteigt?
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Die aktuellen Modellrechnungen sehen nicht gut aus

Kurzfassung

  • Zeitpunkt für Lockerungen ungeeignet, insb. in diesem Umfang
  • In Modell schießen Fallzahlen und Krankenhausbelastung im April nach oben
  • Nur das optimistische Szenario scheint mir noch erträglich zu sein.
  • Um dies zu erreichen dürften alle Bürger in Deutschland die Lockerungen nicht einmal im Ansatz ausnutzen.
  • Ohne neue staatliche Eingriffe, egal ob mit “Hotspot-Regelung”, Schnell-Neuauflage des IFSG oder wie auch immer, wird es schwierig.
  • Brauchen wir eine Nachbesserung des IFSG in ein paar Wochen?

Hinweis für alle Anti-Modell-Fans: Hier geht es nicht darum, dass wir lockern (das hat zum richtigen Zeitpunkt natürlich seine Richtigkeit, wir wollen alle möglichst viel Normalität im Sommer haben), sondern es geht um Zeitpunkt/Abfolge der Lockerungen.

Achtung bei Zeitachse und Peak-Höhe der Grafiken: Bei allen Zeitverlaufs-Grafiken bitte beachten, dass es nahezu unmöglich ist, den tages-genauen Zeitpunkt (und damit auch die Höhe) des Peaks vorherzusagen. Kommt der Peak einige Tage früher, ist er auch niedriger. Und trotzdem, mein Modell hatte schon Mitte Dezember 2021 den BA.1-Peak im Februar (abgesehen von steigender Dunkelziffer wg. Testveränderungen) und den Verlauf danach sehr gut vorhergesagt.

Einleitung: Ein fast unberechenbares Risiko

Wir haben uns – ohne Not – in eine sehr schwierige Situation manövriert, unsere Risiken für in den nächsten Wochen sind groß wobei die Spitzenwerte kaum berechenbar bleiben.

Als Modellierer schaue ich ziemlich fassungslos auf die aktuelle Situation in Deutschland. Das ist nahe am “perfect storm“:

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Update Modellrechnung: Wie könnte unsere EXIT-Welle nach dem 20.3.2022 aussehen?

Fangen wir an mit einem kleinen Rückblick. Bis Ende letzter Woche lagen meine Modellrechnungen von vor 3 Wochen noch echt gut. Aber seit dem Wochenende geht es aufwärts, und zwar mit Schwung. Die Wirkung der Lockerungen vom letzter Woche hatte ich also beim Modellieren unterschätzt, ich war zu optimistisch.

In dieser Woche steuern wir auf eine um 20% höhere Fallzahl zu als in der Kalenderwoche davor. Damit liegen wir jetzt oberhalb des pessimistischen Szenarios vom 19.2.2022 (aber immerhin noch im Unsicherheitsbereich, graue Fläche). Das pessimistische Szenario war nicht pessimistisch genug.

Es kam also zu einer stärkeren Veränderung des Verhaltens als sogar pessimistischer weise angenommen. Ich nehme an, dass das viele Reden über einen Freedom-Day am 20.3. und die ersten Lockerungen für viele Menschen ein Signal war, dass man nicht mehr so aufpassen muss.

Wie geht es weiter?

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Update-Modellrechnungen: Wie geht es weiter nach dem BA.1-Peak?

Mir scheint wir sind über den BA.1 Peak hinweg (siehe mein Twitter Thread). Aber wie geht es weiter?

Kurzfassung:

  • Dass die Pandemie jetzt einfach abebbt ist m.E. noch nicht ausgemachte Sache
  • Die Lockerungen verlängern die Omikron-Welle um viele Wochen, in keinem Szenario hätten wir bisher wenigstens schon die Hälfte der Fälle erreicht.
  • Wenn wir die Lockerungen zu weit treiben könnten wir heftige Rebound-Wellen erzeugen.
  • Wahrscheinlich sollten wir die Lockerungen vom 20.3. um 2-3 Wochen nach hinten schieben.
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Meine Zoom/Video-Konferenz-Station (Version 3)

Seit Beginn der Pandemie verbringen viele von uns viel (zu viel) Zeit mit Zoom/Teams-Konferenzen. Grund genug sich damit zu beschäftigen, wie man das besser machen kann als nur mit “Laptop auf und los”.

Im Juni 2020 hatte ich hier mein erstes Zoom-Setup vorgestellt, im November 2020 die Version 2. Ich sitze viel in Zoom-etc-Sitzungen und halte darüber auch Vorträge, deshalb habe ich mein Videokonferenz-Setup ständig weiterentwickelt.

Heute möchte ich den aktuellen Stand vorstellen und die einzelnen Teile erklären/empfehlen:

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Update Modellrechnungen: 6 Szenarien für die nächsten 4-6 Wochen

Kurzfassung:

  • Modell zeigt im zentrale Szenario den Peak der Omikron-Welle um den 20.2.2022 bei Inzidenz ca. 2.800 (unmessbar).
  • Bis Ende Mai könnte es zu 15-22 Millionen Fällen kommen, mit Dunkelziffer (2x) könnte das halbe Land infiziert werden.
  • Im Modell würde Omikron-Welle in den Krankenhäusern nicht schlimmer zu werden als die Delta-Welle im November (aber Belastung durch Personalausfälle!).
  • Schließung der Schulen/Kitas für 6 Wochen hätte auf Krankenhausbelastung keine starke Auswirkung (senkt aber die Infektionszahlen bei den Kindern deutlich).
  • Erst eine Maßnahmen-Verschärfung für alle Altersgruppen für 4 Wochen würde Welle schnell zusammenbrechen lassen.
  • Lockerungen zum 20.3.2022 könnten zusätzlichen, noch höheren Wellenpeak für Kliniken auslösen (weil bis dahin der Inzidenzanteil bei den Älteren höher ist und deren Booster schwächer geworden ist).
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Was ist Lauterbach’s “Plan”? Eine Annäherung mit Modellrechnungen

Unser Gesundheitsminister hat uns letzte Woche in der BPK erklärt, dass es ein Pandemie-Modell des RKI gibt (das wir nicht sehen dürfen), dass es einen Plan der Bundesregierung gibt (den wir nicht kennen) und dass wir ein kleines bisschen besser liegen als dieser Plan.

Lauterbach fragt richtig: “Was macht die Bundesregierung eigentlich hier?”. Er spricht davon, dass man nur eine Welle (also keine weiter Exit-Welle) haben wollte. Das ist der Plan?

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Modellrechnungen: Ausblick auf die nächsten 4-8 Wochen

Kurzüberblick

  • Seit der letzten Modellrechnung sind die Aussichten schlechter geworden.
  • Im zentralen Szenario würde es Ende Februar bis Inzidenz 3.600 gehen und im Q1 würden ca. 20 Mio Menschen aller Altersgruppen infiziert.
  • Die Welle schlägt in der Modellrechnung in den Krankenhäusern wesentlich höher ein als die Delta-Welle
  • Datenlage weiterhin ziemlich unsicher
Graphen kommen weiter unten in groß!
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